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Mehr Strom eingespeist als erlaubt?

Biogasanlage

Schon wieder in der Diskussion steht die Biogasanlage in Baccum. Foto: wrog

24. August 2010 3 Kommentare

Lingener Tagespost vom 24.August 2010
Autor: Burkhard Müller

Baccum. Hat die Biogasanlage der „Baccumer Bio-Kraft GmbH“ (BBK) mehr als die erlaubten 500 kW in das öffentliche Netz einspeist? Nach Informationen unserer Zeitung sollen es teilweise sogar über 800 kW gewesen sein. Gesellschafter der BKK sind Christoph, Hermann und Paul Overhoff sowie Klaus Köhring, gleichzeitig kaufmännischer Direktor der nahe gelegenen Hedon-Klinik (wir berichteten).

Ziemlich sauer reagierte Baccums Ortsbürgermeister Heiner Schomaker gestern Nachmittag auf die ersten Hinweise: „Sehr verärgert musste ich jetzt erfahren, dass die BBK ohne die Verriegelungstechnik (500kW Begrenzung) betrieben werden soll. Nur so ist es möglich, dass weit mehr als 500 kW eingespeist werden können.“ Dass man in der Probebetriebszeit dazulerne und auch noch Abweichungen vorkommen könnten, dafür habe man ja noch Verständnis. Schomaker: „Aber wer eine vorgeschriebene und eingebaute Drosselung außer Kraft setzt, so Genehmigungen aushebelt und so mit politischen Vertretern umgeht, der muss sich nicht wundern, dass das Vertrauen zum Betreiber verloren geht. Man fühlt sich getäuscht.“

Die Anlage müsse von den Behörden noch einmal überprüft werden. Hierbei sei sicherzustellen, dass Abweichungen nicht mehr möglich seien. Der Ortsbürgermeister: „Gegebenenfalls ist die Anlage so lange stillzulegen, bis alle Fragen geklärt sind.“
Anlage stilllegen?

Seitens der Stadt wollte gestern in der Sache niemand eindeutig zu den Fragen unserer Zeitung Stellung beziehen. Die Antworten reichten von: „Das ist ein laufendes Verfahren. Deshalb kann ich dazu heute auch noch nichts sagen“, (Stadtbaurat Georg Lisiecki) über: „Aus datenschutzrechtlichen Gründen ist es mir nicht gestattet, zu diesen Fragen Stellung zu beziehen“, (Ulli Boss, Geschäftsführer Stadtwerke Lingen) bis hin zum Ersten Stadtrat Dr. Ralf Büring: „Es gibt gewisse Hinweise, nachdem die BBK mehr Strom produziert als genehmigt. Diese Hinweise werden jetzt in einem Ordnungsverfahren abgearbeitet. Außerdem wollen wir wissen, ob und warum es zu diesen Überschreitungen gekommen ist. Und erst dann werden wir prüfen, welche Konsequenzen oder rechtlichen Schritte daraus abzuleiten sind.“

Klaus Köhring, Mitgesellschafter der BBK, erwiderte auf die Frage unserer Zeitung, ob es zu Leistungsübertretungen in der Biogasanlage gekommen sei und ob er diese bestätigen könne: „Wir sagen nichts dazu. Schreiben Sie, was Sie für richtig halten, und alles andere wird sich schon ergeben.“

Bei der von der BBK in Baccum betriebenen Anlage handelt es sich um eine „privilegierte Anlage“, die aus diesem Grund nicht mehr als 500 kW in das öffentliche Netz einspeisen darf. Eine „gewerbliche Anlage“, die über 500 kW produzieren darf, wurde seitens der Stadt Lingen abgelehnt.

Die Anlage ist aber so groß gebaut worden, dass sie nach Angaben des Herstellers auch bis zu fünf MW leisten könnte, also das Zehnfache der erlaubten Produktion.

Um eine höhere Leistungsabgabe als 500 kW in das Netz zu verhindern, wurde eine Drosselung eingebaut und schriftlich bestätigt.
 


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3 Kommentare zu Mehr Strom eingespeist als erlaubt?


Wolfgang und Corinna Dietrich

1

am 01. September 2010 um 10:53 Uhr

Guten Tag Herr Wiedorn!
Mit einigem Befremden lesen wir die ungewöhnliche und gewöhnungsbedürftige Beantwortung unserer Fragen.
Im Allgemeinen hätten wir gerne über Ihre Homepage mehr Informationen über die Arbeit der Oppositionspartei SPD, der wir eigentlich näher stehen als den anderen im Rat vertretenen Parteien.
Es gibt doch mehrere SPD-Ratsmitglieder die in unterschiedlichen Gremien Arbeit leisten und über die wir gerne etwas mehr erfahren würden. Diese interessieren uns sehr, zumal im nächsten Jahr die Kommunalwahlen anstehen und wir uns gerne orientieren möchten.
Leider ist es uns nicht möglich, die Ratssitzungen am Nachmittag zu besuchen.
Außerdem reichen uns die Berichte der Tagespost zur Meinungsfindung/-bildung nicht aus, da wir die Berichterstattung der LT oftmals als sehr einseitig einstufen. Ich versichere Ihnen, dass meine Frau und ich offenkundig bestens informiert sein möchten und gerne wissen würden, wem wir in Zukunft unsere Wählerstimme geben. Die neuen Medien wie, z.B. das Internet, sind geradezu ideal dafür. Und das nicht nur für junge Leute.
Einen schönen Gruß an Frau Spielmanns und Herrn Bendick, die am Wahlstand sehr freundlich Ihre Partei vertreten.
Herr Krone hat bereits jetzt schon unsere Stimmen.


Alles verstanden?

Mit f r e u n d l i c h e n Grüssen
Wolfgang und Corinna Dietrich


Hajo Wiedorn

2

am 29. August 2010 um 16:19 Uhr

Ich kommentiere nur ungern die Stellungnahmen von offenkundig schlecht informierten Mitbürgern/Innen. Hier scheint es unumgänglich.

Die Lingener Tagespost hat ausführlich über Aktivitäten der SPD-Stadtratsfraktion berichtet:
- Am 12.08.2010 über den Ausschluss unseres Fraktionsmitgliedes Herbert Jäger
- Am 16.08.2010 über den von mir eingebrachten Antrag auf Einleitung eines Ordnungswidrigkeitenverfahrens gegen die Betreiber der Biogasanlage
- Am 27.08.2010 über die von mir geleitete Sitzung des Planungs- und Bauausschusses, wörtlich: "Bei soviel Unzuverlässigkeit sollten wir uns überlegen, ob wir nicht die ganze Anlage stillegen", donnerte es aus Richtung der SPD von Hajo Wiedorn...

Alles nicht mitgekriegt?


C. Dietrich

3

am 26. August 2010 um 13:35 Uhr

Wird die SPD in Baccum jetzt eigentlich in ihrem Anliegen und dem der Baccumer Bürger und Bürgerinnen von der SPD in Lingen unterstützt? Der Herr Wiedorn als Ihr Fraktionsvorsitzender oder seine Vertreter sollten hier doch mal für Aufklärung sorgen.
Hier wäre doch die gesamte Opposition aufgefordert, die Dinge zu hinterfragen.
Wo erfährt man denn, wie die einzelnen Damen und Herren Stadträte dazu stehen?
Die Teilnahme an den öffentlichen Ratssitzungen ist für Berufstätige oftmals gar nicht möglich.
Es interessiert uns Bürger doch, wie die einzelnen Ratsmitglieder uns Bürger unterstützen und vertreten. Wie sollen wir Wähler uns eine Meinung bilden, wenn über die Aktivitäten der einzelnen Ratsmitglieder nichts oder nur wenig bekannt ist.
Können Sie als SPD da nicht mal über Ihre Homepage mehr Aufklärungsarbeit leisten?
Bei den Grünen finde ich keine Einträge und bei der FDP schon mal gar nicht.
Wie in dem Fall der Biogasanlage die CDU tickt, ist bekannt. Aber ich vermisse eine ordentliche Oppositionsarbeit und ausführliche Stellungnahme der SPD Lingen. Ich lese regelmäßig Ihre Homepage und finde die auch ansonsten ganz gut.
Bringen Sie uns Wählern die Informationen und Argumente, die uns veranlassen sollen, die SPD in Lingen zu stützen.
Ich bin eine Lingener Wählerin und wüßte gerne mehr.


 

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